Stress hat eine ganz besondere gesellschaftliche Bedeutung.
Die biologischen Abläufe in unserem Körper zeigen uns: Stress in seiner eigentlichen Bedeutung gehört als normaler sinnvoller Lebensmotor dazu, er ermöglicht uns sozusagen ein aktives Leben, eine sinnvolle Teilnahme am Leben, das sich zwischen den Polen Anspannung – Entspannung, Einsatz – sowie Erholung bewegt.
Wir könnten auch sagen: Stress ist eine angeborene und erworbene Reaktion, die es uns ermöglichen soll, uns schnell auf wechselnde Lebensumstände einzustellen. Somit ist diese Reaktion durchaus normal und sinnvoll, zudem lebensnotwendig, wenn nicht sogar überlebensnotwendig!
Ein Beispiel:
Stellen Sie sich einen Steinzeitmenschen vor, der ausgezogen ist, um im Wald Beeren (keine Bären!) zu suchen. Plötzlich hört er eine Knacken im Gebüsch, er sieht nur einen riesigen dunklen Schatten. Vielleicht ist es ein wildes Tier, das ihm gefährlich werden könnte? Und er reagiert blitzartig mit Flucht oder Angriff.
Das kann er nur, weil er durch einen komplizierten Mechanismus eines Zusammenspieles der Sinnesorgane mit bestimmten Hirnregionen, den Zentren des vegetativen Nervensystems, des hormonellen Systems und des muskulären Systems dazu in die Lage versetzt wird. Sein Blutdruck geht dabei in die Höhe, Herz und Atmung werden schneller, Zucker und Fettreserven werden mobilisiert, denn all dies wird benötigt für eine rasche körperliche Reaktion (davonlaufen oder kämpfen).
Sexualität und Verdauung sind derzeit unwichtig, deshalb werden sie kurzfristig lahmgelegt. Durch Flucht oder Angriff bauen sich die bereitgestellten Energien wieder ab, eine sinnvolle anschließende Erholungsphase regulieren den Organismus wieder in eine Ruheposition, von der aus erneute Aktivität möglich ist.
Dazu ist wichtig zu wissen: Die Reaktion im Organismus ist immer dieselbe, ganz egal, welche auslösenden Faktoren wirken und sie ist seit Jahrtausenden so in uns angelegt.
Nun, wir sind keine Steinzeitmenschen mehr, also stellen Sie sich eine andere Situation vor. Sie gehen über die Straße, haben zuvor nachgeschaut, ob kein Auto kommt, alles ist in Ordnung, Sie marschieren los. Plötzlich kommt eine wild hupender Wagen aus einer Nebenstraße direkt und schnell auf Sie zu.
Zum Glück können Sie sich auf Ihre Steinzeitreaktion verlassen, sodass Sie sich durch die oben beschriebenen Aktivierungen mit einem mutigen Sprung aus der Gefahrenzone herausbewegen können. Sie spüren es noch, wie Ihr Herz klopft und Sie entlasten sich psychisch, indem Sie diesem Rowdie ordentlich hinterherschimpfen.
Anschließend müssen Sie erst mal verschnaufen und sich auf eine Bank setzen bis Sie meinen, jetzt haben Sie sich von dem Schrecken wieder erholt.
Andere Situation, denken Sie an den Autofahrer. Er war gar kein Rowdie, sondern irgendetwas hat an seinem Auto nicht richtig funktioniert. Er bekommt genau denselben Schreck, den Sie als Fußgänger hatten und steuert in letzter Minute um Sie herum.
Aber dieselben Notfallreaktionen sind in seinem Körper aufgetreten. Also: Blutdruck hoch, Herz schneller, Atmung schneller, Schwitzen der Hände (=emotionales Schwitzen), Muskelzittern, Bereitstellen der Brennstoffe Zucker und Fett.
Aber die körperliche Bewegung (Flucht oder Angriff) bleibt aus. Er kann nicht anhalten, weil es z.B. der Verkehrsfluss nicht erlaubt, er bleibt eingezwängt hinter dem Steuer sitzen, hat keine Möglichkeit, sich körperlich abzureagieren. Der Blutdruck bleibt hoch, das Herz schlägt noch lange schneller, Blutzucker und Fettreserven werden nicht verbraucht.
Bislang habe ich Ihnen die lebenserhaltenden Notfallreaktionen geschildert. All das kann ein gesunder Organismus durchaus verkraften. Er erholt sich ja wieder.
Ähnlich kann es uns im Beruf ergehen, wenn Ärger, Misserfolg, oder Kollegenintrigen auf uns einwirken. Natürlich können auch ständige private Auseinandersetzungen, große Sorgen, Krankheiten, Trauer bei Verlust eines geliebten Menschen diese Notfallreaktionen in uns auslösen.
Wenn wir nicht wissen, was wir dem entgegensetzen können, sind wir allem hilflos ausgesetzt. Psychologen haben nachgewiesen, dass es besonders gefährlich für uns wird, wenn eine Stresssituation als hilflos empfunden wird.
Ich möchte Ihnen zunächst einmal die erste, wichtigste und einfachste Maßnahme gegen Stress verraten. Vermutlich ahnen Sie es schon. Es ist selbstverständlich die körperliche Aktivität. Sie wissen ja: Die Stressreaktion des Organismus setzt viel Energie frei. Diese sollte genutzt werden. Die logische Antwort darauf ist Bewegung.
An zweiter Stelle steht das Erlernen einer Entspannungsmethode.
Es muß nicht unbedingt die Muskelentspannung sein. Es gibt ja so viele Möglichkeiten vom autogenen Training über Atementspannung, Muskelrelaxation hin zu den unterschiedlichsten fernöstlichen Verfahren.
Auch hier gilt wieder die Devise:
Sie sollen Freude daran haben, nur dann gelingt es auch. Und Sie bleiben dabei. Wir wissen, jede Methode wirkt sich positiv auf Ihr Selbstbewußtsein aus!
Quelle: http://www.easy-relax-program.de